Noch einen draufsetzen mit Nachverdichtung   - MÄHREN AG
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Noch einen draufsetzen mit Nachverdichtung  

Noch einen draufsetzen mit Nachverdichtung  

Immer mehr Menschen, zu wenig Platz: Über 82 Millionen Menschen wohnen in Deutschland, Tendenz steigend. Und: Es herrscht Wohnraummangel. Ja, es wird gebaut, leider aber nicht genug und zu oft am eigentlichen Bedarf vorbei. Um nur ein Beispiel zu nennen: Es entstehen zahlreiche Einfamilienhäuser, in denen nur eine Handvoll Menschen leben. Auf dem Grundstück eines Einfamilienhauses könnten aber mehrere Dutzend Menschen wohnen. Flächeneffizienz sieht anders aus.

Nachverdichtung wäre eine Lösung. Ein ungeliebtes Konzept, doch muss nicht unbedingt davon die Rede sein, dass selbst der letzte Grünstreifen grau wird oder nur noch Hochhäuser entstehen – obwohl letztere, speziell in Großstädten, durchaus Sinn ergeben.

Das Thema Nachverdichtung ist umstritten, birgt aber einige interessante Lösungsansätze, die dem Wohnraummangel zumindest teilweise entgegenwirken könnten.

Wo kein Platz nach links und rechts ist, sollte es in die Höhe gehen

Eine Möglichkeit das umzusetzen, wäre Überbauung. Damit ist gemeint: Wohnungen über Supermärkten, über Parkplätzen, Wohnraum auf Stelzen oder brückenartigen Tragwerkkonstruktionen über bestehenden Gebäuden und so weiter. Ganz neu ist diese Idee nicht. Sie wird in sämtlichen Ländern der Welt bereits umgesetzt und auch in Deutschland macht es der ein oder andere Discounter bereits vor.

Auch das Thema Hochhaus ist in anderen Ländern kein Reizthema – ganz im Gegenteil: Sie gehören zum Stadtbild schlichtweg dazu. In Deutschland sieht das anders aus, nicht zuletzt aus historischen Gründen. Wohnhochhäuser werden gedanklich schnell mit Plattenbauten in Verbindung gebracht. Dabei würde sich an dieser Stelle ein Umdenken auf jeden Fall lohnen, denn was hierzulande noch nicht Gang und gäbe ist, wird in anderen Metropolen längst erfolgreich praktiziert. Besonders in Asien stapeln sich bereits ganze Dörfer mit eigenen Parks, Schwimmbädern und Bibliotheken. Diese sind, architektonisch meist schön gestaltet, ein echter Blickfang und haben mit einem Plattenbau wenig gemein.

Flexible Wohnmodelle für flexible Lebensentwürfe

Schon aus den Grundrissen an sich ließe sich einiges herausholen.  Wir wohnen im Schnitt auf fast doppelt so vielen Quadratmetern wie noch in den 60er Jahren. Dabei könnte Qualität hier Quantität in jedem Fall ablösen, unter anderem mit klügeren Grundrissen und weniger raumgreifender Innenarchitektur.

Allgemein müssen Wohnraummodelle flexibler werden. Es ist nicht nötig, alle zwei Jahre umzuziehen, wie es in den Niederlanden üblich ist. Mehr Fluktuation und Flexibilität wären in Deutschland aber durchaus angebracht. Ein Beispiel: Wenn ein älteres Paar von ihrem Einfamilienhaus in eine kleinere Wohnung ziehen möchte, wird oft Platz für eine fünfköpfige Familie frei. Was einfach klingt, gestaltet sich in der Umsetzung oft schwierig. Es braucht einfachere Lösungswege. Die Förderung von Wohnungstauschbörsen und kommunalen Online-Plattformen könnte eine sein.

Auch Vario-Wohnen ist ein interessanter Ansatz – gerade für bezahlbares Wohnen im Alter. Beim Vario-Wohnen wird auf eine modulare Bauweise und mehr Gemeinschaftsflächen gesetzt, während die eigenen Quadratmeter und damit auch die Kosten schrumpfen. Ein neues Wohnraummodell mit privaten Räumen, wie auch Gemeinschaftsräumen, die man sich mit dem Nachbarn teilt. Vergleichen könnte man diesen Ansatz mit jenem des Coworkings. Das verdichtete Wohnen wird bereits praktiziert: In der Schweiz beispielsweise entstand aus einem ursprünglich besetzten Haus ein gemeinschaftliches Projekt, bei welchem Mieter in Clustern zusammenwohnen und statt auf mehr Quadratmeter, Autos und Parkplätze auf Begegnungsräume setzen, sprich, sich die Gemeinschaftsräume teilen.

Es gibt Parallelen zum Umgang mit natürlichen Ressourcen

So wie wir uns Gedanken darüber machen, Energie und Wasser zu sparen, so sollten wir auch mit dem Boden und mit unseren Wohnflächen umgehen und diese weniger verbrauchen bzw. besser und effizienter nutzen.

Nicht nur die Anwohner sind es, die dafür im Vorfeld gewonnen werden müssen – genauso wichtig ist der Einsatz von Politik und Behörden. Bis heute ist die Hauptproblematik beim Thema Nachverdichtung das Genehmigungsverfahren.