Die Hochhäuser kommen! - MÄHREN AG
5680
post-template-default,single,single-post,postid-5680,single-format-standard,qode-quick-links-1.0,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-child-theme-ver-1.0.0,qode-theme-ver-13.2,qode-theme-bridge,wpb-js-composer js-comp-ver-5.4.5,vc_responsive

Die Hochhäuser kommen!

Denkt man an ein Wohnhochhaus, so erscheint einem schnell das Bild einer typischen Platte: rein praktikabel, eine eher billige Bauweise, sowie finstere und unordentliche Verhältnisse. Das Image des Wohnhochhauses war in Deutschland stets vom industriellen Wohnungsbau geprägt. Deutschland hat sich in den 70er Jahren weitgehend von Hochhäusern verabschiedet, denn zu viele Konzepte dafür waren nicht aufgegangen und zu oft entstanden soziale Brennpunkte.

Nun sind sie aber wieder im Kommen, die Hochhäuser. Und es geht dabei lange nicht mehr nur um die Unterbringung möglichst vieler Personen – das Leben im Wohnhochhaus wird zum Lifestyle.

Zahlreiche Planungen bestätigen das. Bis Ende 2016 wurden mehr als 17 Wohntürme errichtet oder grundlegend saniert – Tendenz steigend, denn mehr als 50 weitere Projekte sind derzeit in Planung und zum Teil schon in Bau. Die meisten davon entstehen in Berlin. Experten sehen dies als ein Zeichen für die positive Entwicklung der Stadt.

Was in anderen Weltmetropolen längst zum Leben in einer Großstadt dazugehört, kommt immer mehr auch in Deutschland an. Dass Deutschland in diesem Punkt hinterherhinkt, hat einen einfachen Grund: In Hinblick auf Hochhäuser herrscht hierzulande (noch) restriktives Baurecht. In München zum Beispiel darf kein Bauwerk den Turm der Frauenkirche überragen, in Frankfurt ist der Bau von Hochhäusern ausschließlich im Stadtzentrum erlaubt. Mit steigender Nachfrage verändern sich jedoch nach und nach auch die Regelungen.

Das Motto der Stunde lautet Nachverdichtung

Der Wohnraum wird in vielen deutschen Städten knapper und der Stadtrand immer beliebter. Laut dem ZIA-Präsidenten Dr. Andreas Mattner lautet das Motto der Stunde Nachverdichtung. Die meisten Menschen möchten in zentralen Lagen wohnen und arbeiten. Umweltpolitisch kann eine Zersiedlung mit hohem Flächenverbraucht und hohen Infrastrukturkosten auch nicht gewollt sein. Vorhandene Flächen müssen somit intensiver genutzt werden. Die Identität der Stadt soll dabei jedoch erhalten bleiben. Kann nicht länger in die Breite gebaut werden, so gilt es seinen Fokus auf die Gebäudehöhe zu richten.

Pandion Vorstand Reinhold Knodel ist sich sicher: „Die Grundstücksverknappung in den deutschen A-Städten und teilweise auch B-Städten befördert den Trend zum Wohnhochhaus.“ Demnach müsse an zentralen Standorten in die Höhe gebaut werden. Das moderne Wohnhochhaus befindet sich in der Regel in guten Innenstadtlagen und zeichnet sich durch Miet- und Eigentumswohnungen im gehobenen Preissegment aus.

Die Preise in Deutschland gelten als moderat

Gefühlt erscheint eine Wohnung in einem Hochhaus oft als zu teuer. Es kommt jedoch auf das jeweilige Konzept an, denn der Preis hängt nicht nur von der Lage, sondern auch vom jeweiligen Service-Angebot ab. Denn meistens bieten diese Bauten einen Rundumservice wie beispielsweise mit 24h-Concierge, WLAN, (Designer-)Einrichtung, Gemeinschaftsräume, Wäscheservice oder anderem an. Heutige Wohntürme zeichnen sich maßgeblich durch Nachhaltigkeit, Integration und Innovation aus.

Die mietpreisgedämpfte Variante einer Wohnimmobilie im Hochhaus liegt in Deutschland  bei 12-15€/m², die Obergrenze liegt derzeit bei rund 25€/m². Eigentum im Hochhaus befinden sich im Schnitt bei etwa 10.000€/m² – je nach Lage und Service natürlich günstiger oder teurer. Die Zielgruppe liegt also vor allem bei wohlhabenden, internationalen Nutzern. Die Preise orientieren sich am oberen Preissegment in den Städten.

Viel Geld, doch im internationalen Vergleich sind die Preise in Deutschland trotzdem noch moderat. Bei einer Auswertung von mehreren Projekten in Europa bewegt sich der Preis im Mittel bei 12.000€/m² bei einer Spanne von 5.600€/m² (Frankreich) bis hin zu 25.000€/m² (London).

Die Meinungen zum Hochhaustrend sind relativ unterschiedlich

Ob die neuen Wohnhochhäuser die hohe Nachfrage nach städtische Wohnraum wirklich stillen können, ist umstritten. Eines ist jedoch klar: Das Neubauvolumen reicht nach wie vor nicht aus, um den Bedarf quer durch alle Bevölkerungsschichten zu decken. Somit hilft eigentlich jede neue Wohnung, die entsteht.

Die meisten Wohnungen in Hochhäusern sind jedoch für das obere Preissegment gedacht. Die Kosten für Grundstücke und Erstellung von Wohnhochhäusern sind wiederum so hoch, dass geringe oder mittlere Einkommen sich eine solche Wohnung nicht leisten werden können. Diese Haushalte profitieren also nicht direkt von den Hochhausprojekten.

Trotzdem wird von einigen Spezialisten davon ausgegangen, dass durch das zusätzliche Angebot die Nachfrage nach Bestandswohnungen zurückgehen wird. Um spürbare Effekte zumindest mittelfristig zu erzielen, müsste das Neubauvolumen jedoch allgemein deutlich zulegen.

Und: Wohnhochhäuser haben das Ziel einer hohen Integration in den Stadtraum (u.a. durch moderne Mobilitätssysteme) und sie werten bisher gewerblich genutzte Gebiete deutlich auf ohne Verdrängungsprozesse zu initiieren. Außerdem lässt sich bemerken, dass die Städte durch solche Wohnturmprojekte nachhaltiger werden. Meist werden solche Hochhäuser auf innerstädtischen Brachflächen erbaut, wie zum Beispiel ehemaligen Industriearealen. Diese werden durch den Bau von Wohnraum wieder in den Stadtraum integriert.

„Letztendlich führen Wohnhochhausprojekte auch zu einem Umdenken in den Köpfen der Beteiligten – weg vom hohen Flächenverbrauch am Stadtrand mit Folgen für den städtischen Verkehr, der Versiegelung und der generellen Lebensqualität.”  so Jirka Stachen, Research Manager, JLL

 

Das internationale Interesse ist groß

Getrieben werden die Projekte zunächst vor allem über den global verzweigten Investmentmarkt. Es herrscht eine rege Nachfrage seitens internationaler Investoren und Nutzer. Für diese ist diese Art des Wohnens eine gängige und selbstverständliche Wohnform, wenn nicht gar die für eine Großstadt normalste. In Deutschland ist das Wohnhochhaus zwar noch lange nicht state of the art – über kurz oder lang wird es das jedoch sein.